Energie

Power-to-Gas und kleine BHKW – zwei Seiten einer energet(h)ischen Goldmedaille

Die Nutzung von Power-to-Gas bietet sich an als Energiepuffer zwischen einer Netzeinspeisung oberhalb der Residuallast (also des jeweiligen Strom-„Verbrauchs“) und einer Gas-Verstromung bei Bedarf, also bei Strombedarf oberhalb der Stromproduktion. Ausspeiseseitig geht es also nur um wenige Tage im Jahr, meist im Winter bei regionalen Inversionswetterlagen mit Bodennebel und Windstille. Es liegt auf der Hand, dass es sich kaum ökonomisch rechnen kann, für diese seltenen Fälle große Gas-und-Dampf-Kraftwerke zu errichten. Woher soll der benötigte Strom also dann kommen?

Dafür lohnt sich ein Blick auf den Wärmebedarf in Deutschland. Dieser beträgt allein in Haushalten rund 2.000 PJ/a, das sind rund 556 TWh/a. Wenn nun jeder Haushalt mit einem dezentralen Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Wärme versorgt würde, sei es mit einem Nano-BHKW im Keller oder über Nahwärme mit einem BHKW im Dorf oder Viertel, dann würden diese BHKW zusammen rund die Hälfte des jährlichen Strombedarfs im Deutschland produzieren – also ein Vielfaches des Bedarfs an Ausgleichsenergie bei zu geringen Wind- und Solarstromangebot. Dafür müssten allerdings die Verteilnetzbetreiber bzw. die regionalen Energieversorgungsunternehmen (EVU) einerseits sich am Ausgleichsenergiemarkt als Anbieter betätigen dürfen und andererseits Geschäftsmodelle entwickeln, die es ihnen ermöglichen, auf die BHKW ihrer Kunden immer dann zuzugreifen, wenn Strom gebraucht wird. Das Geschäft könnte darin bestehen, dass dem Kunden in diesem Falle die produzierte Wärme faktisch „geschenkt“ wird, da die Vergütung deutlich über dem Gaspreis und den Abschreibungskosten liegt. Als Alternative dazu sind verschiedene Contracting-Modelle denkbar.

Wenn hierfür die richtigen rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, wird der Markt effiziente und kostengünstige Lösungen hervorbringen. Die BHKW-Technik ist voll ausgereift und sehr bedienungs- und wartungsfreundlich, das Potential reicht, wie oben gezeigt, weit über die benötigte elektrische Arbeit hinaus und der Wirkungsgrad liegt im ungünstigsten Falle im Bereich von 80%. Zudem ist die Technik sofort – und auch „Made in Germany“ – verfügbar und schnell aufwuchsfähig. Auch die notwendige Mess- und Regeltechnik ist vorhanden. Es fehlt „nur“ an der Bereitschaft, sich von der Ideologie der großtechnologischen Anlagen zu befreien und leider auch noch am politischen Willen, hierfür die richtigen rechtlich-regulatorischen Rahmenbedingungen zu setzen.

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